Wahlen - Lessons Learned

Gründe, warum wir hier bei Wahlen oft weit hinter den nicht gesteckten Zielen zurückliegen.

Überarbeitung/Zusammenführen notwendig

Wahlen - Lessons Learned

Wahlen sind nach der Festlegung eines Programms die wichtigste Aufgabe einer Partei. Leider hat sich das noch nicht bei allen Parteimitgliedern und Vorständen rumgesprochen.

Was lief schief (und warum)

Unklare Kommunkationskanäle und -ketten

Es konnten aber keine eindeutigen Kommunikationskanäle etabliert werden; keine ML, stattdessen (synchrones) Live-Treffen, mehrere Telegram-Gruppen.

Abläufe

Abläufe müssen besser dokumentiert werden bzw. sollten sogar geschult werden. Das gilt z.B. bei Besonderheiten in verschiedenen Bundesländern, aber auch bei grundsätzlichen Dingen.

Termine, die keine Deadlines sind

Insbesondere im Bund ist die Kommunikation über Termine mangelhaft. Sie dienen nicht einmal als Richtschnur, weil sei vollkommen unverbindlich sind. Die Freiheit, dass einzelne mit notwendigen Informationen lange nach der Deadline zurückkommen verzögert insbesondere für diejenigen die Planung (oder macht sie umöglich), die sich vorbildlich und verantwortlich verhalten. Das ist ein massiv negativer Anreiz und führt in Konsequenz dazu, dass man besser selbständig plant, denn die Zusammenarbeit ist unplanbar und nachteilhaft.

Puffer in der Planung werden wissentlich verkürzt

Durch das Aufschieben von Aufstellungsversammlungen nehmen wir uns den zeitlichen Puffer, um rechzeitig Gewissheit einer Teilnahme zu haben, weil z.B. ausreichend UUs gesammelt wurden. Mit diesem Puffer hätte man sich rechzeitig um die Weiterplanung des Wahlkampf kümmern können, denn die Sicherheit über die Teilnahme war vielerorts ein Meilenstein der abgewartet wurde, anstatt vorausschauend weiter zu arbeiten.

Keine Ziele gesetzt

Es wurden keine Ziele gesetzt, die den Mitgliedern und Verantwortlichen deutlich machten, wofür sie arbeiten und wo sie erfolgreich "abgeliefert" haben. Dieses triviale Mittel zur Motivation wurde verspielt.

Spenden

Wir zwingend auf Geld angewiesen um den Wahlkampf zu gestalten. Leider wird das sehr inkonsequent bis gar nicht gemacht, geschweige den unterstützt. Aktionen wie solche verlaufen dann eher negativ: https://www.spendenseite.de/bundestags-und-kommunalwahl-2021/-34259

Fehlendes Involvement

Das Desinteresse der Kreis-, Orts- und sonstigen Vorstände an der Bundestagswahl 2021 wurde massiv unterschätzt. Wir schaffen es nicht, Wahlkampf als Aufgabe aller betroffenen Gliederungen zu verstehen und seitens der gewählten Führungsverantwortlichen als Priorität zu vermitteln.

  • Plakate geben kein qualitatives Feedback

  • Blindflug bei Plakatbestellungen, weil keine Anforderung einer bestimmten Menge an Plakaten

  • Kein Feedback zu Problemen, die in der Gliederung auftauchen und die für einen erfolgreichen Wahlkampf gelöst werden müssen.

Kandidaten

Wer für die Piraten kandidiert, muss zu mehr Mitarbeit verpflichtet werden, selbst wenn es sich nur um eine "Papierkandidatur" handelt. Wer das nicht will, der sollte dann auch nicht antreten. Es macht einfach keinen Sinn, wenn Kandidaten nicht beworben werden!

Die erfolgreiche Teilnahme an Wahlen ist die wichtigste Aufgabe einer Partei. Warum wir hier weit hinter den nicht gesteckten Zielen zurückliegen, liegt unter anderem hieran.

Kalkulation

Unklarheit über die Höhe der Preise von Plakaten oder auch Streumaterial, auch wenn sie mengenabhängig ist. Das erschwert die Planung in den Gliederungen.

Wild-West-Mentalität ist bei Projekten nachteilig

Bei Projekten und Aufgaben wie Wahlkampf, bei denen gliederungsübergreifend und mit vielen Mitgliedern gearbeitet werden muss, sind klare Aufgaben und vor allem (ernstgenommene) Verantwortung super wichtig. Hierfür haben wir demokratisch Vorstände gewählt, die genau dafür bestimmte Rollen und Funktionen haben. Statt den Vorgaben zu folgen kam es zu Arbeitsverweigerung bis hin zu einer Umkehr der Pflichten. Das Misstrauen gegenüber Vorständen und insbesondere diese nicht als Autorität wahrzunehmen führt zu Chaos und Strukturlosigkeit in Zeit und Aufgaben, etc. Wenn aus dieser Hierarchie ausgebrochen wird, dann folgt Unklarheit darüber, wer den Hut auf hat, wer für Zielerreichung verantwortlich ist und wer die Konsequenzen bei Versagen zu tragen hat.

Engpässe nicht vermieden

Weil es absehbar war, dass Grafik und Design ein Engpass sein könnten, wurde mit ausreichendem zeitlichen Vorlauf eine externe Person angeworben. Das sollte nicht nur die entsprechende Expertise sicherstellen sondern auch, dass es nicht zu einem Engpass kommt, über den Druck und Macht ausgeübt werden kann. Trotz der Erfahrung in der Vergangenheit (beispielsweise in Bezug auf die Plakatvorlagen im PShop) wurde die Option mit Beginn der konkreteren Wahlkampfphase wieder verworfen und ein eigenes Team beschäftigt. Ein weiteres Problem ist, dass dieses Team nicht die Strömungen in der Partei reflektierte. So kam es dann in der Folge dazu, dass das simple Ändern einer Schriftart mit dem Einstellen von Arbeit einherging und die weitere Planung bzgl der Gestaltung von Flyern beispielsweise in ein Durcheinander überging.

Corporate Design

CD ist ist unabdingbar. Es gibt Unmengen an Studien, die alle besagen, das ein Corporate Design hilfreich ist. Eine Einhaltung sollte von daher zwingend vorgeschrieben sein.Das CD bzw. der Styleguide sollten neu beschlossen und aktualisiert werden. https://cct-ev.de/wp-content/uploads/2020/09/MP_Wissenschaftliche_Studie_final_v3.pdf

Blindflug durch fehlende Quantifizierung

Wir nutzen keine Statistiken um informierte Entscheidungen zu treffen. Wir handeln nach bauchi-bauchi, was die Effizienz zufällig werden lässt.

Parteieigene Statistik

Es gab und gibt bisher keine Statistik, die beim Wahlkampf helfen würde. Selbst so einfache Informationen wie, wie viele Plakate bei einer Wahl plakatiert wurden, gibt es nicht.

Selbstbetrug Wissenschaftsgläubigkeit

Wir sind im Grunde genommen wissenschaftsfeindlich, denn wir halten unsere eigenen Vorstellungen und Plausibilitätsüberlegungen für die besten Informationen, die in Entscheidungen eingehen. Das führt dazu, dass wir Kompetenz vernachlässigen und den aktuellen Stand z.B. bei der Werbewirkungsforschung in den Wind schlagen. Dadurch planen wir an unseren Zielen vorbei.

Wahlwerbespot viel zu spät angegangen.

Für den Wahlwerbespot braucht es Story, Skript, Darsteller, Locations, Bild, Ton, post production und weiteres. Mindestens 6 Wochen vor Einsendeschluss. Es sollte dringend vermieden werden, wei Wochen vor Einsendeschluss noch nicht einmal ein Skript zu haben.

Events

Wenn es schon Events gibt, wie z.B. den fünfzehnten Geburtstag der Piratenpartei, dann gehören die in einem Wahljahr auch zelebriert! Solchen Veranstaltungen brauchen einen Vorlauf von mindestens 6 Monaten. Warum: Weil man z.B. in einem ersten Schritt alle Mitglieder einlädt. Dann die Landesvorstände, damit die ihren jeweiligen Landesverband präsentieren können. Und zu guter letzt die Presse! Um eben selbst was in Sachen Sichtbarkeit zu tun. Events sollten grundsätzlich bei Wahlen ausgerichtet werden. Möglichst selbst, dass ermöglicht die Kontrolle darüber, was passiert und wie. Es ist ein Ausgleich zu den ganzen Veranstaltungen, zu denen die Piraten nicht eingeladen werden. Es ermöglicht den Dialog zwischen Kandidaten und Wählern. Eine Aufgabe, die ich bei den entsprechenden PolGefs sehe. Natürlich kann man sich Unterstützung suchen um die Veranstaltungskosten zu senken.

Plakate

Webseiten sollten auf den Plakaten erwähnt werden. Alle Plakate im Bereich Hildesheim hatten die URL https://piraten-hildesheim.de/ auf den Plakaten. Die Seite selber hat vor dem Wahlkampf nicht existiert, musste also bei Null anfangen. Nur aufgrund der Plakate hatte die Webseite mehr Besucher, als die Landesseite, die seit Jahren vorhanden ist und SEO-technisch betreut wird. Immer mehr Kommunen verbieten Plakate oder zumindest Hohlkammerplakate. Hier wird es Zeit, das die Piraten mal über alternativen wie z.B. Vordermann-Plakate nachdenken. Klar ist, das hat sich bei dieser Wahl gezeigt, die Plakate halten auch größte Regengüsse aus, ohne kaputt zu gehen. Elektronische Plakate wären unter bestimmten Bedingungen auch ein Thema! Stichwort E-Ink/E-Paper. In größeren Orten und Städten mehrsprachige Plakate?!

Social Media

Kandidaten sollten präsentiert werden. Leider machen dies viele Kandidaten nicht, obwohl sie selbst kaum etwas machen müssen, da andere sich bereit erklärt haben, entsprechende Beiträge zu bauen. Alles was dazu erforderlich war, waren ein paar Fragen zu beantworten sowie ein odere mehrere Fotos zur Verfügung zustellen. So sieht das dann aus: https://twitter.com/PiratenNDS/status/1430912149874905090 https://twitter.com/PiratenNDS/status/1430197555426742277 https://www.facebook.com/PiratenNDS/posts/4501925416508900 https://www.facebook.com/PiratenNDS/posts/4466974626670646

Obwohl also kaum Arbeit vonnöten war, haben gerade mal 4 Kandidaten in Niedersachsen einen solchen Beitrag.

Webseiten

Spezielle Seiten zur Wahl, die sowohl das Wahlprogramm als auch die Kandidaten präsentieren, gibt es auch kaum bis gar nicht. Hier war die Resonanz noch geringer als bei den Social Mediabeiträgen. Beispiele: https://carlson.piratenhannover.info/ https://slusarczyk.piratenhannover.info/ https://villamarindiaz.piratenhannover.info/

Klar ist, das die "Präsentationen" noch verbessert werden können. So fehlt z.B. noch ein Link zur Webseite! Da die Präsentationen über FB und Twitter promoted wurden, ist die wichtigste Aufgabe allerdings erfüllt. Nämlich Content für Google zu liefern. Und natürlich hätten die Präsentationen auch auf der Webseite promotet werden müssen!

Videos

Gebärdendolmetscher und Untertitel einbauen! Es gibt viel zu wenige Videos!

Ungenutzte Chancen

Chancen werden nicht genutzt

Wir besitzen nicht die Flexibilität, Chancen zu nutzen. Wenn in einzelnen Gliederungen früher geworben werden kann, z.B. durch Kommunalwahlkampf, dann können wir das nicht umsetzen und nutzen.

Ungenutzte mediale Möglichkeiten

Keine Guerillamarketingideen, keine Flyer, keine Podcast, keine Videos

Frauen

Frauen sind bei Wahlen klar im Vorteil. Das ist offensichtlich. Selbst völlig ohne Wahlkampf, also keine Plakate, kein Social Media, nicht mal auf der Webseite erwähnt, haben Sie besserer Ergebnisse wie Männer, die aktiv Wahlkampf gemacht haben.

Themen

Bisher wurden Themen gewählt, in denen die Partei Ihre Stärken sah. Auf aktuelle Gegebenheiten wurde dabei wenig bis garnicht eingegangen. Auf demografische Daten wurde und wird überhaupt nicht zurückgegriffen. Auch wurde bisher noch überhaupt nicht abgefragt, was die Wähler überhaupt von der Piratenpartei wissen, außer das jemand mit der Sackkarre eine Leiche transportiert hat. Eine der häufigsten Aussagen zur Kommunalwahl innerhalb der Partei war die Aussage, das Themen auf den Plakaten völlig egal wären! Hier wäre auch dringend eine Recherche nötig! Und für Kommunal- und Landtagswahlen sind meineserachtens deutlich themenspezifischere Plakate erforderlich. So sind die Mehrzahl der Wähler über 50 Jahre alt. Das muss berücksichtigt werden. Stadt und Land müssen unterschieden werden! Stichworte hier:(Stadt) Sprache, Migration, Integration und Inklusion. (Land) Landflucht, Ärztemangel, Kinderkrankenhäuser, ÖPNV, Schulen und Ladestationen. All das berücksichtigen wir 0. Dabei ist klar, so wie wir es bisher gemacht haben, ist es offenbar nicht richtig. Wir werden noch immer als Protestwählerpartei wahrgenommen und nicht als Partei mit einem Vollprogramm. Zu diesem Zweck empfehle ich, einen Fragebogen zu entwickeln, der auf Infoständen, Events etc. ausgefüllt werden kann mit Fragen über die Piratenpartei, um festzustellen, welcher Wissensstand bei den Wählern überhaupt vorliegt!

Wie geht das beim nächsten Mal besser?

Um nett zu sein, hier noch etwas, was toll war:

  • Voll nette Leute. Meistens zumindest. Also zumindest in der geschlossenen Wahlkampfgruppe, in der ich war. (Beispiel)